96 scheitert an sich selbst
15. August 2010 | Von admin | Kategorie: Allgemein, Spielbericht
Auch in diesem Jahr scheitert Hannover 96 bereits in der ersten Runde des DFB-Pokals bei einem Viertligisten! Die Slomka-Elf verlor im Elfmeterschießen beim SV Elversberg mit 4:5, nachdem Mikael Forssell vom Punkt gescheitert war. Nach Verlängerung hatte es torlos 0:0 gestanden.
“Griff in die Motivationskiste nicht nötig”
Kurz vor Anpfiff der Partie sprach Günther Erhardt, der Trainer des SV Elversberg 07, in die Mikrofone der anwesenden Fernsehteams den Satz, der zum Programm des gesamten Spiels zwischen dem Viertligisten und den Roten wurde: “Hannover muss gewinnen, wir wollen gewinnen. Da brauche ich nicht besonders in die Motivationskiste zu greifen.”
Die Partie begann zäh und war auf beiden Seiten von vielen Ungenauigkeiten im Passspiel sowie Abstimmungsproblemen geprägt. Doch war vom Anpfiff an zu spüren, dass auf Seiten der Elversberger der Wille groß war, die Partie mindestens ausgeglichen zu gestalten. So waren es die engagierten Saarländer, die die erste Chance des Spiels hatten: In der 23. Minute setzte El Idrissi einen Freistoß nur knapp neben das von Florian Fromlowitz bewachte Gehäuse. Emre Güral, der ein richtig gutes Spiel machte, war zuvor gefoult worden. Fünf Minuten später hatten die Roten durch den portugiesischen Neuzugang Carlitos die erste Gelegenheit in Führung zu gehen. Doch der Freistoß von der Strafraumgrenze, an der Didier Ya Konan zuvor von den Beinen geholt worden war, strich unter Mithilfe von Matthias Kuhn, dem Keeper der Spielvereinigung, über die Latte.
Ein Standard von Carlitos
Diese beiden Standardsituationen waren das Einzige, was es an nennenswerten Einschussmöglichkeiten in der ersten Hälfte zu sehen gab. Ansonsten verkaufte sich der Viertligist teuer und bestach durch eine von guter Ordnung getragene stabile Defensivleistung, während der Bundesligist in den ersten 45 Minuten seine Leistungsfähigkeit zu keinem Zeitpunkt abrufen konnte. So war es auffällig, dass die Anhänger der Roten, die den weiten Weg ins Saarland auf sich genommen hatten, ihre Mannschaft unermüdlich anfeuerten. Pfiffe wären nach der diskreten Darbietung in Halbzeit eins nicht unverständlich gewesen. Torlos ging es also in die Kabine und eigentlich musste man damit rechnen, dass 96 nun aufdrehen würde, um nicht erneut an einem Regionalligisten in der ersten Hauptrunde des Vereinspokals zu scheitern. Slomka jedenfalls setzte mit der Einwechselung von Lars Stindl für Manuel Schmiedebach auf mehr Offensive für die zweiten 45 Minuten.
Es war aber der Gastgeber, der das erste Ausrufezeichen vom Anstoßpunkt setzte – und das nicht nur im wörtlichen Sinne: aus 50,4 Metern schoss Emre Güral vom Mittelkreis einfach mal auf den Kasten von “Flo” und hätte die schlafmützigen Roten damit beinahe eiskalt erwischt – nur das Aluminium verhinderte in Spielminute 46 die Führung für Elversberg. Dieser humorlose Schuss sorgte prompt für einen „Hallo-wach!“-Effekt, doch nicht auf Seiten der erstmals in Gold spielenden Leinestädter. Vielmehr kamen die Amateure in Person von Martin Willmann zu ihrer nächsten Großchance, der die Unordnung im Strafraum nicht entscheidend ausnutzen konnte – sein Schuss strich nur hauchzart am rechten Eck vorbei. (47.)
Einwechselungen bringen nicht den erhofften Schub
Die Roten waren inzwischen mit dem torlosen Remis gut bedient. Und auch in der Folge konnte sich das Team von Chefcoach Mirko Slomka weder optische Vorteile noch nennenswerte Chancen erspielen. Daran änderten auch nichts die Einwechselungen von Moritz Stoppelkamp (58.) und Mikael Forssell (67.) für den schwachen Mike Hanke bzw. Jan Schlaudraff, der an diesem Tag als Spielgestalter kein Empfehlungsschreiben abgeben konnte. Zwar war unserer Truppe in den letzten zehn Minuten der Wille anzumerken, das Spiel vor der drohenden Verlängerung für sich zu entscheiden, doch die einzige Chance durch einen Kopfball von Pogatetz, die aus dem Spiel heraus entstand, vereitelte der gut aufgelegte Keeper der Elversberger glänzend. Es blieb bei einem schmeichelhaften 0:0 nach der regulären Spielzeit.
Sportdirektor Jörg Schmadtke machte vor Beginn der Verlängerung “zu wenig Tempo im Spiel” als eine der Ursachen für den wirklich “nicht guten Auftritt” aus und konstatierte, dass “man den Klassenunterschied deutlicher machen muss.” Ein deutlicher Klassenunterschied war aber auch in der Verlängerung nicht zu erkennen. Elversberg kämpfte weiter unermüdlich und stemmte sich gegen eine Niederlage, die aus dem Spiel heraus aber nicht wirklich drohte. Selbst beste Chancen, derer es viele nicht gab, ließen die Roten aus. Der eingewechselte Forssell etwa schoss frei vor dem Tor in den nächtlichen Himmel über dem Waldstadion, zuvor gelang es Schulz nicht, aus einem Meter den Ball im Netz unterzubringen. (114.,115.)
Das Elfmeterschießen entscheidet
Das entscheidende Elfmeterschießen, das nach dem Debakel vom Vorjahr eine erneute Blamage der Roten besiegelte, ist schnell erzählt: Alle fünf Elversberger Schützen trafen souverän, Mikael Forssell traf mehr den losen Rasen als den Ball und verfehlte das Tor deutlich. Was folgte waren lange Gesichter auf der einen und Riesenjubel auf der anderen Seite. Der SV Elversberg 07 ging als verdienter Sieger vom Platz, wie auch Coach Slomka nach der Partie einräumen musste: “Wir haben 120 Minuten Zeit gehabt, ein Tor zu machen und das haben wir nicht getan. Wir hatten erst ab der 80. Minute klare Chancen, die wir liegen gelassen haben. Im Elfmeterschießen kann man immer ausscheiden. Insgesamt ein verdienter Erfolg für Elversberg.”
Den Roten ist damit nicht nur die Chance auf einen “kurzen Weg” nach Europa durch die Lappen gegangen, die Jörg Schmadtke im Vorfeld der Partie noch ausgemacht hatte. Auch fest eingeplante Einnahmen fließen nicht nach Hannover. Den Kader punktuell weiter zu verstärken – dieses Unterfangen wird erschwert.
Schwerer wird auch der Bundesligastart am kommenden Samstag gegen die Eintracht aus Frankfurt. Die Mannschaft steht nach diesem schwachen Auftritt unter Druck. Sie muss beweisen, dass sie es besser kann als an diesem unerfreulichen Abend in Elversberg.
mi
Hannover 96: Fromlowitz – Cherundolo, Pogatetz, Haggui, Schulz - Pinto, Schmiedebach (46. Stindl), Schlaudraff (67. Forssell), Carlitos - Ya Konan, Hanke (58. Stoppelkamp)
SV Elversberg 07: Kuhn - M. Kühne, Backmann, Kozarac, Schwall – Reiß, El Idrissi, Fischer, Willmann - Güral, Omerbegovic (113. Zeric)
Tore im Elfmeterschießen: 0:1 Stindl, 1:1 Kozarac, 2:1 El Idrissi, 2:2 Ya Konan, 3:2 Reiß, 3:3 Schulz, 4:3 Güral, 4:4 Pinto, 5:4 Zeric
Besondere Vorkomnisse: Forssell vergibt im Elfmeterschießen
Gelbe Karten: Ya Konan, Stindl/-
Schiedsrichter: Tobias Welz
Zuschauer: 3000
Bild- und Textquelle: Hannover96.de
Ähnliche Artikel:
